Montag, 7. Oktober 2013

Remo Largo «Ein Kind ist nicht für die Eltern da»


Anfangs Septermber ist Remo Largos neues Buch mit dem Titel: "Wer bestimmt den Lernerfolg: Kind, Schule, Gesellschaft?" erschienen. Er plädiert darin für eine Schule, die der Individualität von Kindern – und explizit auch ihren Schwächen – gerecht wird und nicht den Ideologien von Bildungspolitikern. Hierbei handelt es sich bestimmt um ein hochinteressantes Buch, welches schon bald auf meinem Nachttisch liegen wird. Für all jene, denen das Buch zu lang ist, (111 Seiten) habe ich die wichtigsten Aussagen aus einem kürzlich erschienen Interview herausgepickt.
Er spricht darin über gute Schulen, was Kinder zum lernen wirklich brauchen und über den Spagat zwischen Familie und Beruf. Hier das ganze Interview



Was machen gute Schulen aus?

Die Schule ist dann erfolgreich, wenn möglichst jedes Kind seine Fähigkeiten ausbilden kann.Gute Schulen sind jene, die vertrauensvolle Beziehungen zwischen Schülern, Lehrern und Eltern herstellen können – das ist eine Grundvoraussetzung, damit Schüler lernen.

Wie lernen Kinder am besten?

Jedes Kind will individuell gefördert werden. Sonst sind die einen gelangweilt und andere verstehen nur Bahnhof.

Richtiges Lernen ist immer entwicklungsgerecht. Das heisst, neuer Stoff muss am Entwicklungsstand eines Kindes anknüpfen.

Wenn es den Kindern auf der Beziehungsebene gut geht und sie die Erfahrungen machen können, die sie für ihre Entwicklung brauchen, kommt es gut.

Auswendiglernen und Hausaufgaben verbessern den Lernerfolg nicht.

Studien zeigen eindeutig: Fünfjährige Krippenkinder sind weiter in der Entwicklung als jene, die allein zu Hause aufwachsen.

Über Lehrer und optimale Elterngespräche:

Die «Hattie»-Studie, die ich in meinem neuen Buch oft zitiere, zeigt: Lehrer tragen 30 Prozent zum Lernerfolg bei.

...auch viele Lehrer haben Teilleistungsschwächen. Ich würde sagen, fünf bis zehn Prozent von ihnen haben Legasthenie. Die sagen das aber niemandem – leider.

«Was denken Sie, bis wohin versteht Ihr Sohn die Zahlen?» In solchen Fragen werden sich Eltern und Lehrer immer einig. Wenn aber der Lehrer sagt «Ihr Kind hat eine Rechenschwäche», ist das doch eine Abwertung.

Über Eltern und ihre hohen Anforderungen und Ansprüche:

In gewissen Quartieren der Stadt Zürich gehen bis zu 90 Prozent der Sechstklässler ins Lernstudio, was die Eltern mehrere Tausend Franken kosten kann. Die Schüler lernen dort zwar, wie man die Prüfungsfragen löst – klüger werden sie dadurch aber nicht.

Viele Mütter und Väter haben Mühe mit dem Spagat zwischen Beruf und Familie, weil sie von Gesellschaft und Wirtschaft zu wenig unterstützt werden.

Kernaussage im Interview

Das Kind ist nicht da, um die Erwartungen der Erwachsenen zu erfüllen, sondern um zu dem Wesen zu werden, das in ihm angelegt ist. Es darin zu unterstützen, ist unsere Aufgabe.

Quellen:
Remo Largo: "Ein Kind ist nicht für die Eltern da" Migrosmagazin, 23. September 2013
Remo Largo: Wer bestimmt den Lernerfolg: Kind, Schule, Gesellschaft?(2013)1. Aufl. Zürich: Beltz
Bild: migromagazin

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